Aktualisiert am 11. Oktober 2026 von Nicolas Finet, CEO von Sortlist. Neu sind der Vergleich aktueller Messmethoden und KI-Tools, belastbare Kennzahlen, ein Business-Case-Rechner sowie Hinweise zu Datenschutz und EU-KI-Verordnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Neuromarketing untersucht, wie Aufmerksamkeit, Emotionen und andere häufig nicht bewusst artikulierte Prozesse Kaufentscheidungen beeinflussen; je nach Definition zählen nur apparative Verfahren wie EEG und fMRT oder auch verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse dazu.
- Für Websites und Werbemittel sind Eye-Tracking, Usability-Tests und A/B-Tests meist handlungsnäher als eine isolierte Hirnmessung: Sie zeigen, ob zentrale Elemente gesehen und tatsächlich genutzt werden.
- KI-basierte Aufmerksamkeitsprognosen beschleunigen den Kreativtest, ersetzen aber keine Untersuchung mit der eigenen Zielgruppe. Biometrische Daten, Einwilligung und die Grenzen der EU-KI-Verordnung müssen bereits bei der Studienplanung berücksichtigt werden.
Was Neuromarketing 2026 umfasst
Neuromarketing ist eine Unterkategorie der Werbepsychologie und beschäftigt sich mit Vorgängen, die Kaufentscheidungen beeinflussen. Eine enge Definition beschränkt den Begriff auf apparativ beobachtbare Prozesse, etwa mittels EEG oder fMRT; eine weitere Definition schließt Erkenntnisse über Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Entscheidungsverhalten ein. Diese Abgrenzung erläutert auch der HubSpot-Leitfaden vom 16. Oktober 2025.
Seit der letzten Aktualisierung dieses Artikels im Dezember 2022 hat sich vor allem die praktische Umsetzung verändert: Neben Laborverfahren stehen skalierbare Webcam-Studien und KI-Modelle zur Verfügung, die visuelle Aufmerksamkeit aus vorhandenen Eye-Tracking-Daten prognostizieren. Das macht frühe Kreativtests schneller, liefert jedoch eine andere Evidenz als eine Messung realer Personen aus Ihrer Zielgruppe.
Neuromarketing-Methoden im Vergleich
| Methode | Was gemessen wird | Geeignet für | Wichtige Grenze |
|---|---|---|---|
| Eye-Tracking | Fixationen, Blickpfade, Verweildauer und über geeignete Geräte auch Pupillendaten | Websites, Anzeigen, Verpackungen und Regaltests | Ein Blickkontakt beweist weder Verständnis noch Kaufabsicht |
| EEG | Elektrische Aktivität an der Kopfoberfläche mit hoher zeitlicher Auflösung | Reaktionen auf zeitlich verlaufende Reize wie Videos | Interpretation und Artefaktkontrolle erfordern Fachwissen |
| fMRT | Änderungen der Hirndurchblutung als indirektes Aktivitätssignal | Forschungsfragen zur räumlichen Aktivierung im Gehirn | Aufwendig, teuer und weit von einer natürlichen Kaufsituation entfernt |
| Elektrodermale Aktivität und Herzrate | Physiologische Erregung beziehungsweise deren zeitlichen Verlauf | Spots, Erlebnisse und einzelne Kampagnenmomente | Erregung allein zeigt nicht, ob eine Reaktion positiv oder negativ ist |
| Usability- und A/B-Test | Aufgabenerfolg, Verhalten und Ergebnisunterschiede zwischen Varianten | Navigation, Formulare, Produktseiten und CTA-Varianten | Erklärt das beobachtete Ergebnis nicht automatisch psychologisch |
Eye-Tracking ist besonders eng mit der User-Experience-Forschung verbunden: Die Aufzeichnung der Augenbewegungen kann beispielsweise zeigen, ob ein Kauf-Button gesehen wird. Ob eine geänderte Position mehr Abschlüsse erzeugt, sollte anschließend in einem A/B-Test geprüft werden.
Aktuelle Tools: Funktionen und redaktionelle Bewertung
| Tool | Key Features | Datenbasis | Bewertung für die Praxis |
|---|---|---|---|
| Neurons AI | Prognostizierte Heatmaps für Bilder und Videos, Aufmerksamkeitsmetriken und Benchmarks | Modell auf Eye-Tracking-Daten; die Leistungswerte stammen vom Anbieter | Gut für ein schnelles Kreativ-Screening, aber kein Ersatz für einen Zielgruppentest |
| Attention Insight | Predictive Eye-Tracking, Heatmaps und Auswertung definierter Bildbereiche | Laut Anbieter rund 5,5 Millionen Fixationen und 550 Millionen Blickpunkte | Gut für frühe Layoutvergleiche; Ergebnisse als Prognose kennzeichnen |
| Tobii Pro Fusion mit Pro Lab | Reales Eye-Tracking, Fixationen, Sakkaden, Pupillendurchmesser und Datenexport | Messung mit Teilnehmenden bei bis zu 250 Hz | Stark für kontrollierte UX- und Forschungsstudien, jedoch mit höherem Aufwand |
| Tobii Sticky | Remote Eye-Tracking, Befragungen, Panels, Heatmaps und Blickverläufe | Webcam-basierte Messung mit Teilnehmenden | Sinnvoll für skalierbare Anzeigen-, Verpackungs- und Website-Tests; geringere Kontrolle als im Labor |
Die Funktionsangaben beruhen auf den Produktinformationen von Neurons, Attention Insight und Tobii. Prüfen Sie mit eigenen Referenzmotiven, ob Prognosen und Messqualität zu Ihrem Medium, Ihrer Zielgruppe und Ihrer Entscheidung passen.
Kennzahlen richtig einordnen
- 84,01 %: Genauigkeit bei der Vorhersage von Konsumentenentscheidungen in einem 2025 publizierten Forschungsmodell, das EEG und Eye-Tracking kombinierte; die Präzision für positive Präferenzen betrug 83 %. Das sind Ergebnisse dieses Modells und keine allgemeine Erfolgsquote für Neuromarketing (Frontiers in Computational Neuroscience, 8. Januar 2025).
- 250 Hz: maximale Abtastrate des Tobii Pro Fusion. Je nach Hardwareversion sind außerdem 30, 60 oder 120 Hz verfügbar (Tobii-Produktspezifikation).
- 5,5 Millionen Fixationen und 550 Millionen Blickpunkte: damit beschreibt Attention Insight die Trainingsbasis seines Prognosemodells. Es handelt sich um eine Anbieterangabe, nicht um eine unabhängige Güteprüfung.
- 100 bis 150 Personen und 5 Sekunden: Neurons vergleicht die eigene KI-Prognose mit einer Eye-Tracking-Heatmap aus einer Exposition dieser Größenordnung und nennt eine Genauigkeit von mehr als 95 %. Auch dieser Wert ist eine Anbieterangabe und sollte nicht auf Kaufwahrscheinlichkeit oder Conversion übertragen werden.
Stimme aus der Praxis
„Mit Neurons erzielten wir 32 % mehr Klickrate; in einzelnen Kampagnen verdoppelte sich die Performance sogar.“
Jon Söderlind, Head of Insight & Strategy, zitiert in einem Fallbericht von Neurons. Das Ergebnis ist eine Anbieterreferenz und keine unabhängig kontrollierte Studie.
Die Aussage zeigt den möglichen wirtschaftlichen Nutzen eines Kreativtests, belegt aber keine allgemein übertragbare Wirkung. Dokumentieren Sie deshalb Hypothese, Varianten, Stichprobe und Zielmetrik. Optimieren Sie etwa nicht nur die Sichtbarkeit eines Call-to-Action, sondern prüfen Sie auch Klicks, Abschlüsse und mögliche negative Effekte.
Rechner: Lohnt sich der getestete Uplift?
Der Rechner übersetzt einen erwarteten relativen Conversion-Uplift in zusätzliche Abschlüsse und zusätzlichen Deckungsbeitrag. Er ist eine Szenariorechnung: Tragen Sie nur einen Uplift ein, den Sie anschließend mit einem kontrollierten Test überprüfen.
Datenschutz und Ethik im DACH-Markt
Neuromarketing darf keine Methode zum Austricksen von Menschen sein. Wer Täuschung einsetzt, riskiert Vertrauen und Markenwirkung; sinnvoller ist es, die Zielgruppe besser zu verstehen und Angebote, Inhalte sowie Website-Struktur daran auszurichten. Darauf weist auch Growganic im Beitrag vom 21. April 2024 hin.
Erheben Sie Blick-, Gesichts- oder physiologische Daten, müssen Zweck, Rechtsgrundlage, Speicherdauer, Zugriff und Löschung vor Studienbeginn geklärt werden. Biometrische Daten fallen nach der DSGVO insbesondere dann unter die besonders geschützten Kategorien, wenn sie zur eindeutigen Identifizierung verarbeitet werden; eine Datenschutz-Folgenabschätzung kann je nach Risiko erforderlich sein.
Zusätzlich gilt die EU-KI-Verordnung seit dem 2. August 2026 grundsätzlich, während verbotene KI-Praktiken bereits seit dem 2. Februar 2025 erfasst werden. Dazu gehört die KI-gestützte Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen, abgesehen von eng begrenzten medizinischen oder sicherheitsbezogenen Ausnahmen. Die Europäische Kommission beschreibt Zeitplan und Verbote; für einen konkreten Einsatz ist eine rechtliche Datenschutz- und KI-Prüfung erforderlich.
Sechs Schritte für ein belastbares Neuromarketing-Projekt
- Geschäftsfrage festlegen: Formulieren Sie eine Entscheidung, etwa „Welche Produktseite führt häufiger zum Warenkorb?“, statt allgemein nach Emotionen zu suchen.
- Verhaltensmetrik bestimmen: Definieren Sie Conversion, Aufgabenerfolg oder Erinnerung als Ergebnisgröße und Aufmerksamkeit als ergänzenden Messwert.
- Methode passend wählen: Nutzen Sie Eye-Tracking für Sichtbarkeit, Interviews für Motive und A/B-Tests für den kausalen Variantenvergleich.
- Zielgruppe sauber rekrutieren: Eine große, aber unpassende Stichprobe beantwortet die Geschäftsfrage nicht. Halten Sie Ein- und Ausschlusskriterien fest.
- Datenschutz vor der Erhebung klären: Informieren Sie Teilnehmende verständlich, minimieren Sie Daten und trennen Sie Identitätsdaten von Messwerten.
- Ergebnis replizieren: Überführen Sie die aussichtsreichste Variante in einen Feldtest und bewerten Sie neben Klicks auch Abschlüsse, Deckungsbeitrag und Beschwerden.
Wenn Sie externe Unterstützung für Studiendesign, UX oder Kampagnenoptimierung benötigen, können Sie Ihr Neuromarketing-Projekt auf Sortlist beschreiben.
Häufige Fragen zu Neuromarketing
Was ist Neuromarketing einfach erklärt?
Neuromarketing verbindet Marketing mit Erkenntnissen und Methoden aus Neurowissenschaft, Psychologie und Verhaltensforschung. Untersucht wird unter anderem, wie Menschen Aufmerksamkeit verteilen und auf Werbung, Produkte oder Kaufsituationen reagieren.
Ist Eye-Tracking bereits Neuromarketing?
Eye-Tracking wird häufig dem Neuromarketing oder der Consumer Neuroscience zugerechnet und ist zugleich eine etablierte UX-Methode. Es misst Blickverhalten, aber nicht direkt Gedanken, Zustimmung oder Kaufabsicht.
Kann KI echtes Eye-Tracking ersetzen?
KI-Heatmaps eignen sich als schneller Vorabtest und zur Priorisierung von Varianten. Sie prognostizieren typische Aufmerksamkeit aus Trainingsdaten, messen jedoch nicht die Reaktion Ihrer tatsächlichen Zielgruppe; wichtige Entscheidungen sollten deshalb mit Nutzertests oder A/B-Tests abgesichert werden.
Ist Neuromarketing in Deutschland erlaubt?
Neuromarketing ist nicht grundsätzlich verboten. Zulässigkeit und Pflichten hängen von Methode, Daten, Zweck und Umfeld ab. DSGVO, nationale Datenschutzregeln und bei KI-Systemen die EU-KI-Verordnung müssen geprüft werden; KI-basierte Emotionserkennung am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen ist grundsätzlich verboten.
Welche Methode eignet sich für eine Website?
Für Websites liefert eine Kombination aus moderiertem Usability-Test, Eye-Tracking und anschließendem A/B-Test besonders handlungsnahe Ergebnisse. So erkennen Sie zuerst Wahrnehmungs- oder Verständnisprobleme und prüfen danach, ob die Änderung die gewünschte Geschäftsmetrik verbessert.
Der Begriff Neuromarketing ist im Kommen. Wofür er genau steht und wie Neuromarketing in Marktforschung und Marketing erfolgreich eingesetzt wird, ist vielen noch unklar.
Neuromarketing ist ein relativ neues Feld der Marktforschung. Die teils altbewährten Techniken werden angepasst, neue Tools werden eingesetzt. Dieser Sortlist-Artikel gibt einen Überblick darüber, was Neuromarketing bedeutet, wie es die Marktforschung verändert und wo es eingesetzt wird.
Was ist Neuromarketing?
Neuromarketing ist per Definition eine Disziplin, die Kauf- und Marketingverhalten untersucht und versucht vorhersehbar zu machen. Dabei werden neurowissenschaftliche Erkenntnisse angewandt. Die Neurowissenschaften sind ein Bereich, der die Funktion des Nervensystems und seine Beziehung zu höheren Funktionen wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Emotion erforscht.
Neuromarketing ist aber nicht nur Hirnforschung. Vielmehr ist es ein multidisziplinäres Forschungsfeld bei dem verschiedene Disziplinen mit einander verschmelzen. Dazu zählen beispielsweise die Psychologie und die Wirtschaftswissenschaft. Das hat zum Ziel die Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft möglichst effizient in der Praxis umzusetzen.
Die Erkenntnisse des Neuromarketings helfen Marketing-Experten, die Reaktionen und das Verhalten der Kunden auf Werbe- oder Kommunikationsreize zu verstehen, zu antizipieren und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Die erzielten Ergebnisse eignen sich für Offline- und Online-Werbung, Fernsehen, Verpackungsdesign, visuelles Marketing oder Netzwerk- und Softwaredesign usw.
80 bis 95% unserer Kaufentscheidungen sind unbewusst und überaus emotional. Das Wissen darüber, wie diese unbewussten und emotionalen Kaufentscheidungen getroffen werden, hilft, diese zu steuern. Genau hier setzen Neuromarketing-Maßnahmen an.
Dieses Vorgehen ist mittlerweile nicht mehr wirklich neu. Neuromarketing entstand als Forschungsdisziplin rund um die Jahrtausendwende. Seit den 2000er Jahre werden dazu Tests und Studien durchgeführt, um das Potenzial eines tiefen Verständnisses über Kunden bestmöglich auszubauen.
In Deutschland wurde die Neuromarketing-Forschung eingangs vom Diplom-Psychologen Dr. Hans-Georg Häusel geprägt. Der Hirnforscher schrieb in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Sachbücher darüber, was im Gehirn vorgeht, wenn Menschen sich für einen Kauf entscheiden und wie Marketeers dieses Wissen einsetzen können. Die Forschung von Hans-Georg Häusel fokussierte sich vor allem, auf die emotionalen Reaktionen von Konsumenten.
„Nur Emotionen geben der Welt Wert und Bedeutung. Produkte und Dienstleistungen die keine Emotionen auslösen sind für das Gehirn wertlos“, so Häusel auf seiner Website. Der Gehirn-Forscher publizierte vor knapp zwei Jahrezehnten das „Limbic“-Modell, das Neurowissenschaft mit Erkenntnissen aus Psychologie, Evolutionsbiologie und empirischer Konsumforschung verknüpft. In diesem limbischen System werden Konsumenten mittels Persönlichkeitstest in 7 „Gehirn-Typen“ unterteilt.
Neuromarketing hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und in der Marktforschung Fuß gefasst. Persönlichkeitstests sind vielerorts biometrischen Messtechniken gewichen.
Trotz Skeptikern und Kritikern setzen etliche große Unternehmen die Technologie verstärkt in den Bereichen Produktdesign-, Verpackungs- und Werbekampagnen ein.
Wie funktioniert Neuromarketing heute?
Aktuell stützen sich Neuromarketing-Maßnahmen oft auf Erkenntnisse der User Experience-Forschung. Hier werden zur Erfassung von Daten biometrische Messtechnologien eingesetzt.
Diese umfassen:
- Eye-Tracking oder Blickerfassung ist die Aufzeichnung der Augenbewegungen. Im Online-Marketing wird Eye-Tracking bei Usability-Tests für die Ergonomie von Website eingesetzt. Dadurch erhalten UX Designer zum Beispiel Aufschlüsse darüber, wo der Kauf-Button eines Online-Shops angebracht werden soll.
- Gesichts-Codierung wird zur Analyse von Gesichtsausdrücken eingesetzt.
- Elektrodermale Aktivität ist das kurzfristige Absinken des elektrischen Leitungswiderstandes der Haut. Dabei bildet sich auf der Hautoberfläche Schweiß. Ausgelöst wird diese Reaktion durch Emotionen oder Stress.
- Reaktionszeit im Marketing beschreibt nicht die Sekunden, die vergehen, bis wir auf Gefahren reagieren. Viel eher geht es um die Zeitspanne, in der das Gehirn Informationen und Eindrücke verarbeitet.
- Atmung und Herzfrequenz werden zur Untersuchung physiologischer Reaktionen auf Reize eingesetzt.
Zusätzlich kommen Technologien aus der Neurowissenschaft zum Einsatz. Die folgenden Messtechnologien werden zur Überwachung der Aktivitäten im Gehirn eingesetzt:
- Elektroenzephalographie (EEG): Dabei wir an der Kopfoberfläche die summierten elektrischen Aktivität des Gehirns gemessen.
- Funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) ist ein bildgebendes Verfahren bei dem aktivierte Hirnareale abgebildet werden. In der Medizin werden so Durchblutungsstörungen im Gehirn untersucht.
- Magnetenzephalographie (MEG) meint die Messung der magnetischen Aktivität des Gehirns.
Diese Messmethoden können zusätzlichen Einblick in die Reaktionen von Konsumenten bieten. Vor allem unbewusste und unterbewusste Reaktionen können dadurch aufgedeckt werden.
und können zusätzlichen Einblick in die Reaktionen von Konsumenten bieten. Vor allem unbewusste und unterbewusste Reaktionen können dadurch aufgedeckt
Das Verständnis der positiven oder negativen Reaktionen auf sensorische Reize wie Farben, Geräusche und andere Eigenschaften kann Marketingfachleuten und Produktdesignern helfen, das Design und die Marken-Botschaft auf die Eigenschaften der Konsumenten anzupassen, um Kunden und ihre Emotionen effektiver zu beeinflussen.
Wie setzen Marken Neuromarketing ein?
Wie sehr Marketing unsere Wahrnehmung bestimmen kann, legte eine Studie Baylor-Colleges in Houston offen, die unter dem Namen „Cola War“ bekannt wurde. Dabei kosteten Probanden blind zwei Sorten braune Erfrischungsbrause: Coca Cola und Pepsi Cola. Am Umsatz gemessen liegt Coca Cola weit vor Pepsi. Mit dem Geschmack hat das aber anscheinend wenig zu tun, denn Pepsi gewann die Blindverkostung. Nachdem den Probanden gesagt wurde, welche Limonade von welcher Marke ist, wurde nochmal gekostet. Viele änderten daraufhin ihr Urteil und sagten, dass Coca Cola besser schmecke.
Bei parallel aufgenommenen MRT-Bildern zeigte sich, dass das Trinken der Cola vor der Markennennung vorrangig das Belohnungszentrum im Gehirn aktivierte. Nach der Markennennung war jenes Areal zusätzlich aktiv, das für das Selbstbild des Menschen zuständig ist. Dieses Beispiel zeigt, wie tief Marketing in das Gehirn der Konsumenten dringen kann.
In der jüngeren Vergangenheit haben einige große Marken wie Coca Cola, Pepsi oder Apple neurowissenschaftliche Methoden eingesetzt, um zu messen, wie Kunden auf die jeweiligen Marken reagieren. Diese Marktführer sind aber nicht die einzigen Unternehmen, die Neuromarketing einsetzen. Auch Marken wie Campbell’s Soup, Gerber und Frito-Lay verwenden „Consumer Neuroscience“, um unter anderem ihre Verpackungsdesigns neu zu gestalten.
Vorgehensweise
In den dazugehörigen Marktforschungsstudien wird den Probanden beispielsweise die Verpackung des jeweiligen Produkts gezeigt. Dann wird mittels neurowissenschaftlicher Methoden ausgewertet, ob die Probanden positiv, neutral oder negativ reagieren. Diese Erkenntnisse werden dann in einem tiefergehenden Interview aufgegriffen mit dem Ziel bestimmte Punkte im Detail zu analysieren, die zu Entscheidungen über Änderungen von Design-Elementen wie Farbe, Textgröße und Bildmaterial führen.
Mittlerweile gibt es auch Algorithmen, die ohne aufwendiger Studie Ergebnisse liefern, die auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Die Software FLAI misst anhand von Variablen welche Emotionen Content bei Kunden möglicherweise auslöst. Somit können A/B-Test durchgeführt werden, ohne dass der dazugehörige Text publiziert werden muss.
Dabei wird Content auf die folgenden vier Parameter hin „untersucht“:
- Wie einfach der Text zu verstehen ist,
- ob er beim User positive Emotionen auslöst,
- wie aufregend der jeweilige Inhalt ist und
- welche Autorität der Content dem Leser vermittelt.
Beispiele
Der Chips-Hersteller Frito-Lay wollte seinen Marktanteil bei Frauen erhöhen. Dazu führte der US-Konzern eine fMRI-basierte Studier durch. Diese ergab, dass die glänzende Verpackung jenen Bereich des Gehirns stimuliert, der Schuldgefühle und Schamgefühle hervorruft. Diese Erkenntnis führte zu einer Neugestaltung der Verpackung. Die Chipstüten waren von nun an mit einem matten statt mit einem glänzenden Finish überzogen. Dem Umsatz tat das gut.
Der japanische Fahrzeughersteller Hyundai ließ in seiner Neuromarketing-Studie 30 Probanden EEG-Kappen aufsetzen und ein Auto betrachten. Die Ergebnisse der neurowissenschaftlichen Messungen ergaben, dass das Design des Autos geändert werden sollte.
Das Zahlungsunternehmen PayPal ließ TV-Spots analysieren und stellte fest, dass Werbespots, die sich auf Geschwindigkeit und Bequemlichkeit der Transaktionen konzentrieren, eine deutlich höhere Response-Rate haben als jene die die Sicherheit der Paypal-Zahlungen hervorheben. Daraufhin entwickelten das Unternehmen eine völlig neue Werbekampagne.
4 Tipps, wie Sie Neuromarketing einfach anwenden können
Setzen Sie Farbe kreativ ein
Die Wissenschaft zeigt, dass Farben Emotionen im Gehirn von Konsumenten auslösen können. Möchten Sie, dass Kunden Ihr Produkt mit einem lebendigen Gefühl verbinden? Dann wählen Sie rot. Möchten Sie ruhig und zuverlässig erscheinen? Dann wählen Sie ein beruhigendes Mittelblau. Wenn Sie keine Ahnung haben, wie und wo Sie mit dem Neuromarketing beginnen sollen, können Sie über Sortlist jederzeit den Rat eines Farb- und Designexperten einholen.
Spielen Sie mit verschiedenen Schriftarten
Serifenlose minimalistische Schriftarten helfen Menschen Texte möglichst schnell zu lesen. Das ist besonders wichtig, wenn ein Text eine Anweisung für eine bestimmte Aktion enthält. In anderen Fällen können komplexere und weniger simple Schriftarten hingegen das Gehirn Ihrer (potenziellen) Kunden stimulieren.
Achtung! Das heißt aber nicht, dass Logos, Kontaktdaten oder Claims in einer aufwendigen und schwer zu lesenden Schriftart gestaltet werden sollten.
Machen Sie Inhalte leicht zugänglich
Ähnliches wie für die Schriftart gilt auch für Text- und Grafik-Elemente. Texte und Bilder müssen klar sichtbar sein und dem Konsumenten klar vermitteln, welche Maßnehmen er oder sie ergreifen soll. Texte können beispielsweise mit Aufzählungszeichen, Absätzen und Tabellen grafischen unterbrochen und visuell besser aufbereitet werden. Das macht es einfacher Text-Elemente mit dem Auge zu überfliegen und trotzdem das Wesentliche zu erkennen.
Mit einem Lächeln zu mehr Conversions
Es mag mitunter intuitiv erscheinen, Marketing-Kampagnen mit lächelnden Menschen zu füllen, dahinter steckt aber jede Menge Wissenschaft. Neuromarketing-Studien zufolge erzeugt das Lächeln einer anderen Person in unserem Gehirn ein Gefühl von Freude. Das wiederum führt zu einer positiven Assoziation und einer engeren Bindung mit dem beworbenen Produkt.
Es ist gängige Praxis im Marketing das Medium Fotografie einzusetzen, um Dinge menschlicher zu machen. Das zählt auch für die Websites von Unternehmen, die mit diversen Porträts vermenschlicht werden. Hier gilt es aber die richtigen Fotos und Posen auszuwählen. Studie haben belegt, dass der ernstblickende Geschäftsmann mit der Stirnfalte nicht unbedingt die beste Wahl ist, um bei Usern eine positive Reaktion auszulösen. Menschen ist eher zu einer Kaufentscheidung bereit, wenn Sie mit einem Lächeln konfrontiert werden. Überprüfen Sie daher die Auswahl der von Ihnen verwendeten Fotos dahingehend.
Fazit
Das Verständnis der Wissenschaft hinter menschliche Emotionen ist wichtig, um die Kaufgewohnheiten der Kunden zu verstehen. Neuromarketing ist mittlerweile oft die treibende Kraft hinter globalen Markenoperationen, die überaus positive Ergebnisse erzielen. Auch wenn Ihr Unternehmen nicht über das nötige Budget verfügt, um eine umfassende Neuromarketing-Studie zu veranlassen, gibt es Wege, wie Sie von der Forschung profitieren können.
Erkenntnisse aus der Neuromarketing-Forschung können in Outbound- und Inbound-Marketingstrategien integriert werden. Wenn Sie die oben genannten Tipps befolgen, können Sie auf einfachem Weg mehr Vertrauen in die Gestaltung jener kreativer Kampagnen erlangen, die bei Ihrer Zielgruppe Emotionen auslösen und die sie dazu bringen, Ihr Angebot zu lieben.
Die Prinzipien des Neuromarketings zu verstehen ist einer der besten Wege, um mit wenig Geld bessere Ergebnisse zu erzielen!